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INHALT

Ausgabe August
Heft 04/2004
Leider vergriffen!
Heimatfront und Kriegsalltag
Liebe Leserinnen und Leser,
mit der vorliegenden Ausgabe „Heimatfront und Kriegsalltag" freuen wir uns, Ihnen das 100. (!) Heft von Praxis Geschichte anbieten zu können. Mit Blick auf die mediale Präsenz des „Bombenkrieges" haben wir - die Autoren, der Moderator und die Redaktion - diese Diskussion aufgegriffen und durch eine Vielzahl von ... mehr
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Ralf Blank
Heimatfront und Kriegsalltag
Der alliierte Bombenkrieg 1940-1945
Die Folgen des Zweiten Weltkriegs wirken bis heute nach: Die alliierten Bombenangriffe zerstörten die historischen Stadtbilder der meisten deutschen Großstädte und forderten unzählige Todesopfer. Die Zerstörungen hinterließen tiefe Wunden, die aber zugleich auch Mahnung an die deutsche Verantwortung für den Krieg und die Verbrechen unter der NS-Gewaltherrschaft sind. Die neuere Diskussion um den alliierten Luftkrieg und die mediale Alltäglichkeit des jüngsten globalen Kriegsgeschehens und Terrorismus rücken das Thema auch für den Geschichtsunterricht ins Blickfeld. Dabei interessiert vor allem, wie die Menschen zwischen 1940 und 1945 den Kriegsalltag an der Heimatfront erlebten, was zur allgemeinen Reflexion anregt, welche militärischen Mittel in einem Krieg gerechtfertigt sind.
Fach: Geschichte
Reinhard Bein
Wer in den Bunker will, braucht eine Eintrittskarte
Luftschutzkeller und Bunker im Bombenkrieg
Nicht immer boten Luftschutzkeller ausreichenden Schutz vor den alliierten Luftangriffen. Im Gegensatz zu den stärkeren Bunkern konnten sie zur tödlichen Falle werden. Der Luftschutz war zwar ausgefeilt, half aber kaum gegen den Flächenabwurf von Brandbomben. Zeitzeugenberichte dokumentieren den Schülerinnen und Schülern sehr eindringlich, wie die Menschen den Bombenkrieg innerhalb und außerhalb von Kellern und Bunkern erlebten. Nicht alle hatten Zugang zu den Schutzräumen. Zwangsarbeiter und Juden mussten die Bombenangriffe oft ohne Schutz im Freien überstehen.
Fach: Geschichte
Wigbert Benz
Feuersturm Dresden
Fakten und Legenden um die Bombardierung der Großstadt Dresden 1945
Die am 13. und 14. Februar 1945 erfolgten schweren Luftangriffe auf Dresden riefen nach dem Kriege nicht nur anlässlich der historischen Jahrestage und Gedenkfeiern für die Opfer in der westlichen und östlichen Öffentlichkeit Betroffenheit und Erregung hervor, sie waren auch - bis in die jüngste Zeit hinein - immer wieder Anlass für zahlreiche Spekulationen, Mutmaßungen, Legenden und Gerüchte über alliierte Luftkriegsverbrechen. In seinem Basisbeitrag hat Ralf Blank die Chronologie sowie das Ursachen- und Bedingungsgefüge der Bombardierung deutscher Großstädte ausführlich erörtert. In dieses ist der Feuersturm Dresden einzuordnen.
Fach: Geschichte
Karola Fings
Sklaven an der „Heimatfront“
KZ-Häftlinge im Alltag der Kriegsgesellschaft
Die Konzentrationslager waren Zentren nationalsozialistischen Terrors. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind Auschwitz, Buchenwald oder Dachau präsent, aber die vielen hundert KZ-Außenlager, die es während des Krieges in deutschen Städten und Gemeinden gab, wurden Jahrzehnte lang nicht erinnert. Mit einem Blick auf die Geschichte dieser Lager kann im Geschichtsunterricht zugleich der Hintergrund für diese „Erinnerungslücke“ erkundet werden.
Fach: Geschichte
Gerhard E. Sollbach
„Führerbefehl!“
Die Erweiterte Kinderlandverschickung (KLV) im Zweiten Weltkrieg
Am Beispiel der KLV soll zum einen aufgezeigt werden, dass Kinder und Jugendliche in der Kriegszeit dem politisch-militärischen Handeln höherer Gewalten ohnmächtig ausgeliefert sind. Als - gänzlich schuldlose - Kriegsopfer erleiden sie aber nicht nur physische, sondern auch psychische Schäden. Zum Anderen soll bewusst gemacht werden, dass absolute (Wert-) Urteile in der Geschichte zumindest fragwürdig sind.
Fach: Geschichte
Stephanie Marra
„Von Natur aus eine besondere Begabung“
Frauen und Kinder an der „Heimatfront“
Dem alliierten Luftkrieg an der „Heimatfront“ waren zwischen 1939 und 1945 vorwiegend Frauen, Kinder und Jugendliche ausgesetzt. Nach der Verschärfung der Bombenangriffe ab 1942 wurde ihr Alltagsleben von Fliegeralarmen, Aufenthalten in Luftschutzbunkern und -stollen sowie von Evakuierungsmaßnahmen in als „luftsicher“ angesehene Regionen beherrscht. Der Kriegsalltag von Frauen, Kindern und Jugendlichen ist an der „Heimatfront“ jedoch nicht nur durch das passive Erleben des Krieges in Bunkern geprägt, sondern ab 1943 vermehrt auch von einer aktiven Einbeziehung in unmittelbare Kriegsmaßnahmen und Verteidigungsanstrengungen bestimmt worden.
Fach: Geschichte
Petra Schepers
„City Bombing“
Propaganda und Wirklichkeit in Filmen zum Luftkrieg
Die Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht bietet die Möglichkeit, das Medium Film nicht nur als originäres Dokument für eine bestimmte Zeit zu nutzen, sondern darüber hinaus aufzuzeigen, dass Filme - auch Dokumentarfilme - immer mit einer bestimmten Intention gedreht wurden. Die hier ausgewählten Beispiele zeigen, dass nicht nur der Bombenkrieg selbst, sondern auch seine filmische Dokumentation zur Propagandawaffe wird.
Fach: Geschichte
Wigbert Benz
„Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“
Paul (Karl) Schmidt-Carells Holocaust PR 1944
Das Thema Heimatfront und Kriegsalltag wird häufig losgelöst von dem bis Kriegsende andauernden Holocaust erörtert. Dabei unternahm das NS-Regime alle Anstrengungen, den Judenmord so zu verschleiern oder - wenn es nicht anders ging - zu rechtfertigen, dass eine Schwächung der Heimatfront möglichst vermieden wurde. Das Beispiel des damaligen Pressechefs im Auswärtigen Amt, Paul Karl Schmidt, der nach dem Krieg unter dem Pseudonym „Paul Carell“ als Bestsellerautor und Chronist des „Unternehmens Barbarossa“ bekannt wurde, zeigt diesen Zusammenhang.
Fach: Geschichte
Klaus Fieberg
Geschichte im Internet
„Heimatfront und Kriegsalltag“
Link-Empfehlungen zum Themenheft
Ralph Giordano
Das hat Geschichte gemacht
„Ehe der zurückkehrende Bumerang den Werfer zerschmettert...“
Erinnerungen eines Zeitzeugen an den Zweiten Weltkrieg: alliierte Bombardement und jüdisch Verfolgter
„Als der flüssige Phosphor herüberleckte, immer näher kam, begannen die Bertinis zu kriechen, eine wurmhafte, schneckengleiche Fortbewegung, der wie auf Verabredung alle folgten. - Vom Himmel dröhnend bedroht, vom Feuer ringsum an der entsetzten Erde gehalten, krächzend, wimmernd, stammelnd, so rutschten sie Meter um Meter heraus aus dem zerfallenden, krachenden, platzenden Barmbeker Häusermeer an den Rand des Stadtparks, wo der Phosphor weniger Nahrung fand, aber die Erde von unzähligen Bombeneinschlägen wie eine von unten hochgedrückte Haut bebte.“
Fach: Geschichte
Christoph Hamann
Das kanonische Bild
Der „Engel“ der Geschichte
Richard Peter sen. - Zerstörtes Dresden 1945
„Dresden - eine Kamera klagt an“ nannte der „engagierte Dokumentarist" und Fotograf Richard Peter sen. (1895-1977) 1949 seinen Fotoband, mit dem er die Verbrechen Hitlers dokumentieren wollte. Das Foto vom „Engel“, der auf die zerstörte Stadt blickt, diente jedoch lange Zeit nicht der Anklage sondern der Wehklage. Es wurde gelesen als visuelle Chiffre für den Bombenkrieg, der die Deutschen zu Opfern machte (Breymeyer, S. 184 ff.).
Fach: Geschichte
Regina Blume
Geschichte vor Ort
Mythos Peenemünde
Besuch der Dauerausstellung im ehemaligen Raketenversuchsgelände
Mit dem Namen Peenemünde assoziieren viele Menschen in und außerhalb Deutschlands einen Meilenstein des Fortschritts im 20. Jahrhundert, den Beginn des Raketenbaus. Was sich zunächst als technische Großtat ausnimmt, erfährt in der Dauerausstellung im früheren Kraftwerk der Forschungs- und Versuchsanlage, die unter dem NS-Regime eingerichtet wurde, eine notwendige, bittere Korrektur. Die Kehrseite der Medaille heißt Zwangsarbeit und Vernichtung vieler Häftlinge. Sich mit beiden Seiten und weiteren Aspekten auseinander zu setzen, dazu gibt die Peenemünder Ausstellung reichlich Anlass - zumal für Schülerinnen und Schüler.
Fach: Geschichte